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„The innere Schweinehund does not live here anymore“
Diedrich Diederichsen über aktuelle Vorstellungen von kreativer Arbeit und dem Wunsch nach einem “intensiven Leben”
Eine Trennung zwischen Freizeit und Arbeitszeit ist immer schwieriger zu ziehen. Meetings finden in lockerer Freizeitatmosphäre statt, durch mobiles Internet wird jeder Ort jederzeit zum potentiellen Produktionsort und wichtige Entscheidungen werden immer öfter beim Afterwork-Cocktail getroffen. Privat- und Berufsselbst der Wissensarbeiter_innen verschmelzen dadurch zu einem holistischen Ganzen. Diedrich Diederichsen über die Rolle, die der Wunsch nach “Intensität” dabei spielt.
Arbeit im Postfordismus
Die Strukturierung des Tages hat sich grundlegend geändert: Vor einigen Jahrzehnten hatten wir eine strikte Trennung zwischen Freizeit und Arbeitszeit. Und um dem tristen Arbeitsalltag ein Gegengewicht zu verleihen, galt es, die Freizeit möglichst aufregend und „intensiv“ zu verbringen. Wie kann man sich die emotionalen Unterschiede zwischen Arbeit und Freizeit in den frühen 1960er Jahren vorstellen?
Diese traditionelle Aufteilung hat sich aber spätestens dann erübrigt, als Manager in den Rollenkonflikt geraten sind, in ihrem beruflichen Alltag Angebote für die Freizeit produzieren zu müssen. Man denke etwa an die frühen Werber der Madison Avenue in New York, deren Konflikte aktuell in der amerikanischen Fernsehserie “Mad Men” sehr gut beschrieben werden. Wie hat sich das Büro als traditioneller Ort immaterieller Arbeit in den siebziger Jahren verändert?
Peggy Olson und der frühe Business-Punk Don Draper in Mad Men
Intensität, Rausch, Verschwendung – das waren und sind wichtige Figuren der sogenannten Gegenkulturen und sind jetzt zu zentralen Vokabeln des Neoliberalismus geworden. Da stellt sich natürlich die Frage, wie wir damit umgehen? Haben wir unser Privatselbst bereits aufgegeben und stecken in der Rolle eines 360°-Vermarkters innerhalb der Aufmerksamkeitsökonomie?
Dieses holistische Selbst, kann man das in der Popmusik finden? Intensität ist ja ein Begriff, der dort sehr oft vorkommt.
Neben Intensität gibt’s ja auch noch andere zentrale Figuren der Popmusik, die scheinbar sehr gut zu einem System passen, das sich Neoliberalismus nennt. Authentizität fällt mir da zum Beispiel ein.
Diedrich Diederichsen ist Kulturwissenschaftler, Kritiker und Journalist. Er lehrt Theorie, Praxis und Vermittlung von Gegenwartskunst an der Akademie der bildenden Künste Wien. (Bild: Lisa Rastl © Akademie der bildenden Künste Wien)